Interview mit der Generation Y

Katharina Ott im Gespäch mit Vertretern der Generation Y


Auf eine Tasse Tee mit meinen Neffen 

Das Thema Generation Y ist zurzeit in aller Munde. Aber was soll das Ganze? Und was kommt danach – Z? Und danach, wenn das Alphabet zu Ende ist?? Fragen über Fragen, die es zu beantworten gilt. Und da das alljährliche CPH Hoteliersmeeting vor der Tür stand, habe ich mir vorgenommen, einen Workshop dazu zu machen. Ich habe viel recherchiert und einen kunterbunten Blumenstrauß an Informationen dazu gefunden. Am wertvollsten für mich war das Buch von Kerstin Bund ‚Glück schlägt Geld‘. Mit ihren Ausführungen über die Generation Y – zu der ich mich übrigens auch zähle – hat sie bei mir voll ins Schwarze getroffen. 

Aber nur weil ich das so empfinde, denken andere genau so? 


Um mir diese Frage zu beantworten, habe ich mich mit meinen zwei ältesten Neffen zu einem Tee getroffen. Die zwei sind 14 und 16 Jahre alt. Aus Jugendschutzgründen nenne ich sie einfach Simon und Alex. Beide gehen in Hamburg aufs Gymnasium und sind sehr zuversichtlich einen guten Abschluss zu machen. Und den brauchen sie auch. Denn beide möchten Flugzeugingenieure werden. Sozusagen die neuen Gebrüder Wright. Das Zeug dazu haben sie allemal. „Also dieses Jahr strebe ich schon die ‚1‘ vor dem Komma an. Das wär schon cool!“ meint Simon mit einen Lachen aber nicht ganz ohne seinen Ehrgeiz zu verbergen. Man muss dazu sagen, dass bereits ihr Vater bei Airbus arbeitet, nicht als Ingenieur zwar, aber das erklärt, warum die zwei einen ganz anderen Bezug zu dieser Branche haben. Begeistert erzählen sie mir, wie Papa sie zu den regelmäßig stattfindenden Familienfesten auf dem Gelände mitgenommen hat. „Da gab es dann verschiedene Stationen, die man besuchen konnte, wo immer verschiedene Flugzeuge standen. In der einen Halle stand sogar ein Düsenjet. Aber da durfte man leider erst mit 16 rein“ erzählt mir Alex der ältere der beiden. Damals war er erst 14 und durfte somit nicht im Jet Pilot spielen. 

Ich frage sie, ob es einen tieferen Sinn hat, warum sie ausgerechnet diese Feld in Betracht ziehen, schließlich ist es nicht grade der einfachste Studiengang. Beide sind sich da ziemlich einig: Sie interessieren sich einfach für die technischen Details und physikalischen Zusammenhänge und die Spannung im Schaffungsprozess… Es ist also ganz einfach – sie haben Spaß an diesen Dingen. 

Dennoch - das Gehalt spielt auch für diese noch so jungen Burschen eine Rolle. Sie wollen schließlich ihren Kindern einmal genauso viel bieten wir ihre Eltern ihnen geboten haben. Und sie wissen jetzt schon, dass das nicht billig wird. Es steht also schon eines fest: Familie? Ja! „Auf jeden Fall“ sagt Simon wie aus der Pistole geschossen. Alex ist da – obwohl der Ältere – etwas zurückhaltender „Ja, wenn´s sich so ergibt.“ Beide gewichten Spaß an der Arbeit und Gehalt etwa gleich (60% / 40%), wobei Alex der Spaß etwas wichtiger ist und Simon das Geld. Und jetzt kommen wir auch zum eigentlichen Thema, worüber ich mit den beiden sprechen möchte, nämlich ob sie jetzt schon wissen WIE sie mal arbeiten wollen. 

Ich bin erstaunt, wie genau diese Vorstellungen aussehen – in dem Alter war ich ehrlich gesagt noch nicht soweit was das anging. Wie schon erwähnt ist ein gutes Einstiegsgehalt wichtig. Hätten sie mehrere Arbeitgeber zur Auswahl, wäre der Verdienst zwar eine Entscheidungsgrundlage, jedoch zählen auch die Erreichbarkeit und vor allem das Image. Ist das Image kein gutes – fällt das Unternehmen durch. Nach der Frage, ob sich ein Arbeitgeber sozial engagieren sollte, schauen mich beide fragend an. „Öh naja, das sollte doch eigentlich selbstverständlich sein“ meinen beide. Sie haben sich da noch nie Gedanken drüber gemacht, weil sie es einfach voraussetzen. Das zeigt, wie wichtig ein gutes Image für ein Unternehmen ist. Außerdem sollte die Arbeit das Privatleben nicht dominieren. Simon geht sogar so weit „Wenn ich wirklich wählen müsste, dann würd ich mich immer für meine Familie entscheiden“. Alex ist da etwas pragmatischer eingestellt. Schließlich ist der Arbeitgeber ja nicht nur Geldgeber, sondern noch dazu sei sein Beruf ja auch sein Hobby, „von daher wäre es nicht ganz so problematisch sich etwas mehr nach der Arbeit zu richten“

Dann frage ich nach den Arbeitszeiten und ob sie der Meinung sind, dass man sich seine Arbeit sowohl zeitlich als auch örtlich selbst einteilen sollte. Ein ganz klares JA! Überstunden und Schichtarbeit würden sie nicht unbedingt gern machen. Jedoch sagen beide, dass wenn es nötig ist oder sie selber ein Projekt zu Ende bringen wollten das gern machen würden. Aber zu ihren eigenen Bedingungen! Alex sagt zum Beispiel: “Wenn mir etwas Spaß macht und ich gerade vertieft bin in eine Aufgabe würde ich das gern noch zu Ende machen. Die Überstunden bräuchte man mir dann nicht mal zu bezahlen! Oder was ist wenn ich krank bin aber doch arbeiten möchte? Dann hätte ich gern die Möglichkeit dazu“. Simon merkt dazu noch an, dass manche Dinge nun mal einfacher zu erledigen sind, wenn man alleine arbeitet. Das nenn ich Einsatz! Also wer jetzt noch denkt diese Generation wäre Faul… 

„Wie muss euer Chef oder Vorgesetzter denn so sein und würdet ihr selber gern Chefs sein?“, frage ich. „Wichtig ist, dass der Vorgesetzte Erfahrung hat, also auch ein gewisses Alter hat, er darf nicht zu jung sein“ meint Simon. Diese Aussage überrascht mich etwas, aber ich verstehe sie auch. Junge Menschen wissen die Lebensweisheit älterer Menschen zu schätzen und möchten davon gern profitieren. Außerdem sollte ein Vorgesetzter Selbstbewusstsein ausstrahlen. Der Umgang sollte kollegial, verständnisvoll und respektvoll sein. Sie wünschen sich jemanden der ihnen ein Mentor ist, auf den sie sich im Zweifelsfall verlassen können und an den sie sich wenden können wenn sie einen Rat brauchen. Selber Chef zu sein reizt die beiden nicht, aber einer Führungsposition wären sie nicht abgeneigt. Aber am besten wäre es hat immer der das Sagen, der am meisten Ahnung hat. Finde ich persönlich sehr plausibel! 

Manch einer mag jetzt vielleicht denken ‚Lehrjahre sind doch keine Herrenjahre‘ oder ‚Die Arbeit ist doch kein Streichelzoo‘, was soll denn dieser Kuschelkurs? Ich verstehe diese Irritation. Jedoch haben Studien gezeigt, dass Mitarbeiter zufriedener sind bzw. ein Team besser funktioniert wenn der Führungsstil eben nicht so streng ist und keine Diktatur herrscht. Zum Beispiel belegt eine Englische Studie, dass Menschen die in Einzelbüros arbeiten wesentlich produktiver sind als solche, die in Großraumbüros arbeiten und denen ständig über die Schulter geschaut wird. Das lässt sich ebenso auf Homeofficearbeitende übertragen. Denn im Wesentlichen geht es darum, dass die Vorgesetzten ihren Untergebenen Vertrauen schenken. Vertrauen schafft also Produktivität. So einfach ist das! 

Schließlich will die Generation meiner Neffen auch viel Leisten (Mal ganz davon abgesehen, dass sie das auch muss). Und das Potential dieser Gruppe ist enorm, wenn man eben weiß wie man es aus ihnen heraus kitzelt. 

„Aber ist das Ergebnis an sich oder die Zeit die dafür aufgewendet wird um dieses zu erreichen entscheidend?“ frage ich. Beides! Alex ist der Meinung, dass schlussendlich das Ergebnis ist was zählt. Simon hingegen gibt zu bedenken, dass die Zeit die dafür aufgewendet wird auch beachtet werden sollte. Schließlich ist jeder anders und jeder braucht unterschiedlich lange für eine Aufgabe. Daher sollte der Weg zum Ergebnis auch berücksichtigt werden. 

Generell wünschen sich beide, dass ein Arbeitgeber individuell auf sie eingeht. Zum Beispiel beim Thema Büro Hardware. Für sie ist es selbstverständlich, dass ihr Arbeitgeber ihnen den Arbeitsplatz so gestaltet, dass Sie bestmöglich arbeiten können. Das erklären mir die Zwei anhand eines konkreten Falls über ihren Vater. Der hat nämlich seit einiger Zeit ein Rückenproblem. Kurzerhand hat Airbus daher einen Schreibtisch anfertigen lassen, der auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Wenn Papa sitzen will, dann fährt er den Schreibtisch runter, wenn das nicht mehr geht kann er diesen auch wieder hochfahren um im Stehen zu arbeiten. Klingt banal, ist aber eine unheimliche Erleichterung und zeigt, dass Airbus sich um seine Mitarbeiter kümmert. Das wollen die beiden auch! Ebenso sieht es beim Thema Weiterbildung aus. 

Katharina Ott
Das Fazit aus meinem Gespräch mit Alex und Simon ist, dass Sie ziemlich genaue Vorstellungen von Ihrem Leben haben und von dem was und wie sie es einmal machen wollen. Und damit stehen sie sicher nicht allein. 
Wer solche engagierten Mitarbeiter haben möchte muss also folgendes bieten können: Ein gutes Image, eine verständnisvolle Mitarbeiterführung, Flexibilität den Mitarbeitern und ihren Lebenssituationen gegenüber und Freiräume für die Weiterentwicklung des Einzelnen. 

Eine kurze Zusammenfassung zur Generation Y finden Sie HIER >>>

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