Thessoni Bibliothek & das Buch des Monats

Die Bibliothek für eine kleine Auszeit im Hotelalltag!

Thessoni-Bibliothek und das Buch des Monats "Wach auf und träume"


Bibliothek, Buch des Monats
Thessoni Bibliothek & Buch des Monats
Das City Partner Hotel Thessoni classic in Zürich-Regensdorf gehört neben den CPH Hotels auch zur Gruppe der Bibliotels. Das Hotel bietet auch Lesefreunden der Region in seinem neu gestalteten Erdgeschoss ein tolles Ambiente, um bei einem Tee oder einem Glas Rotwein in der eigenen Bibliothek zu Schmökern. Insgesamt hat das Haus rund 1000 Bücher. Berührende Biografien, spannende Romane und unheimliche Krimis. 

Einmal im Monat stellt Thessoni-Autor H.Pune den Gästen ein besonderes Buch vor. Diesmal die Biografie »Wach auf und träume« der großen Schauspielerin Hanna Schygulla. 

H.Pune ist begeistert von Schygullas Aufzeichnungen und glaubte beim Lesen der Autobiografie noch einmal den »ganz eigenen, verführerischen Tonfall« der Diva zu hören: »Ihre Stimme gab den Filmen von Rainer Werner Fassbinder erst eine Seele.« Schygulla, die im Dezember 1943 in Katowice zur Welt kam und ihre Kindheit in den vom Krieg zerfallenen Hinterhöfen Münchens verbrachte, widmet in ihrer Autobiografie viel Raum der langjährigen Arbeit mit Fassbinder. Den Zenit erlangte die Zusammenarbeit in der Rolle der »Lili Marleen«, jener Galionsfigur des Nazi-Regimes, in der sie das Schicksalslied des Zweiten Weltkriegs singt. Spannende Einblicke gewährt sie auch in ihr Pariser Leben. H.Pune hat eine tolle Wahl getroffen. Auf das nächste Buch des Monats im Thessoni classic darf man gespannt sein. 

Buch des Monats 

Erinnerungen einer Diva 

 »Wach auf und träume« ist die kluge und charmant erzählte Selbstreflexion der großen Schauspielerin 
Hanna Schygulla 

Seit Greta Garbo oder Marlene Dietrich kennt die deutschsprachige Bühnenwelt kaum noch Diven. Zu Schauspielerinnen von heute fallen einem eher Bezeichnungen wie Quotengarantin (Iris Berben), Kratzbürste (Katja Riemann) oder Superweib (Veronika Ferres) ein. Eine der letzten wahren Diven im ursprünglichen, also im italienischen und lateinischen Sinne von divus, was so viel wie »göttlich« bedeutet, ist nur noch Hanna Schygulla. Kaum eine andere noch lebende deutsche Schauspielerin hat den hiesigen Film so nachhaltig geprägt wie sie. Ihre Stimme hat sie mit ihrem Körper zu jenem fesselnden Gestus vereint, der Rainer Werner Fassbinders Filmen erst eine Seele gab – möglicherweise hätten seine Filme ohne sie nie den Kultstatus erreicht. Hannah Schygullas Stimme wohnt ein ganz eigener, verführerischer Tonfalle inne, fast ist sie dem Singen nah. Und wenn man die Autobiografie der Schauspielerin »Wach auf und träume« liest, dann ist es, als würde sie einem das Buch Satz für Satz mit dieser betörenden Stimme sanft einhauchen. 

Hanna Schygulla kam in Katowice (Kattowitz) zur Welt, am 25. Dezember 1943. Ihre Kindheit verbrachte sie im Nachkriegsdeutschland, spielte ausgelassen in den Hinterhöfen des zerfallenen Münchens. »Wem gehörst Du denn?«, fragt sie ein Nachbar, als die Familie gerade eingezogen ist, woraufhin die Fünfjährige antwortet: »Mir«. Sie spürte sehr früh ihren Eigensinn und lässt ihn sich nicht »austreiben«. Verabscheut die Mittelmäßigkeit, sucht die Intensität im Leben und das Abenteuer der Begegnungen. »Männer«, schreibt sie, »haben mich nie ganz gehabt«. Eine Stunde, ja, doch »dann muss wieder Einsamkeit sein.« 

Viel Raum widmet Schygulla in ihrem Buch der langjährigen Arbeit mit Fassbinder, die ihren Zenit in der Rolle der »Lili Marleen« erreicht, der Galionsfigur des Nazi-Regimes, in der sie das Schicksalslied des Zweiten Weltkriegs singt. Später, in ihrer Wahlheimat Paris trifft sie auf Godard und den gerade verstorbenen Schriftsteller Gabriel García Márquez. Im Schatten des Montmartre verliebt sie sich in den französischen Drehbuchautor Jean-Claude Carrière, viele Jahre hält diese Liebe, doch sie endet im Schmerz. 

»Wach auf und träume« ist eine kluge und eigenwillig erzählte Selbstreflexion einer großen Schauspielerin des revoltierenden Nachkriegsdeutschlands. Schygulla schreibt nicht chronologisch, sondern das, was ihr in den Sinn kommt. Deshalb liest sich das Buch auch wie ein Spiel des Lebens, mit all seinen Höhen und auch den Tiefen. Und mit einer ganz eigenen Sprache. Wenn der Körper den Tod verstehe, schreibt sie, »dann würden sie verschwinden, er Hass, der Neid, die Eifersucht«. Man kann nur hoffen, Hanna Schygulla noch in weiteren Lebensrollen zu sehen. Und ihr für die wunderbaren Aufzeichnungen danken! H.Pune 

Hanna Schygulla: „Wach auf und träume“. Die Autobiographie. 
Schirmer/Mosel, München 2013. 197 S., zahlr. Abb., geb., 19,80 €.


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